August 12, 2004

Deutschland bekennt sich zu "kolonialer Schuld"


Bei ihrem Besuch in Namibia hat die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) eine Entschädigung für die Verbrechen deutscher Kolonialtruppen gegen die Herero abgelehnt. Es werde keine Zahlungen an eine bestimmte Gruppe geben, sagte sie in Windhoek nach einem Gespräch mit Präsident Sam Nujoma und Landminister Hifikepunye Pohamba. Die "besondere Verantwortung" Deutschlands gelte allen Namibiern. "Wir bekennen uns zu unserer kolonialen Schuld", so die Ministerin. Ihr Besuch in Namibia sei ein Besuch "im Sinne der Versöhnung". Voraussetzung dafür sei eine "bewusste Erinnerung".
Wieczorek-Zeul nahm als erstes Mitglied der deutschen Bundesregierung an einer Gedenkfeier zur Niederschlagung des Herero-Aufstandes vor 100 Jahren teil.
Dazu ein Kommentar von Ingolf Bossenz aus "Neues Deutschland", 16. 8. 04:
„Es war eine diplomatische Meisterleistung. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul schaffte es in Namibia, sich als erstes BRD-Regierungsmitglied bei den Herero für den Völkermord durch deutsche Kolonialtruppen vor 100 Jahren zu entschuldigen, ohne dass dies „entschädigungsrelevant“ ausfiel. Die Juristen hatten eine Formulierung gefunden, aus der die Nachfahren des massakrierten Volkes keine Ansprüche ableiten können. So bat die SPD-Politikerin „im Sinne des gemeinsamen Vater unser um Vergebung unserer Schuld“. Diese Geste klingt zwar sehr pathetisch. Doch da sie auf Gegenseitigkeit beruht, fragt man sich, worin die Schuld der Herero besteht. Und wie der Papst in seinem Mea culpa die Haftung auf „Söhne und Töchter der Kirche“ abschob, redete Wieczorek-Zeul zwar von der Schuld Deutscher, aber nicht der Deutschlands.

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URL: http://www.sadocc.at/news/2004-245.shtml
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