15. Mai 2008

Protest gegen schwindendes Engagement Österreichs

Zu einem Protest gegen das schwindende Engagement Österreichs in Namibia entwickelte sich die Präsentation eines neuen Buches zur Geschichte der bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern, das am 15. Mai 2008 im Historischen Saal der Wirtschaftskammer Wien präsentiert wurde.

„Wien – Windhoek retour. 150 Jahre Beziehungen zwischen Österreich und Namibia“ wurde vom Wiener Wirtschaftshistoriker und Vorsitzenden der Österreichischen Namibia-Gesellschaft, Univ. Prof. Dr. Walter Sauer, als Band 9 der Reihe „Studien zum Südlichen Afrika“ herausgegeben. Weitere Autor/inn/en sind Alexander Schober, Manuela Macala, Ulrike Gomelsky, Brigitte Öppinger-Walchshofer und HORIZONT3000 (vgl. die erste Rezension im Standard)

Anläßlich der Präsentation des Buches nahmen neben dem Herausgeber der Leiter der neuen Afrika-Abteilung im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, Helmut Freudenschuß, die Botschafterin der Republik Namibia in Österreich, Selma Ashipala-Musavyi sowie der Leiter des Referats Afrika und Nahost der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Grabmayr, an einer Podiumsdiskussion teil.

Während Herausgeber Walter Sauer den dramatischen Absturz der heimischen EZA-Leistungen an Namibia ab 2000 („eine Vergeltungsaktion der schwarz-blauen Koalition wegen der politischen Kritik Namibias“) kritisierte und eine Neukonstruktion des im „Deutsch-Südwester-Ambiente“ angesiedelten Honorarkonsulats in Windhoek forderte, kündigte Botschafter Freudenschuß die bevorstehende Inkraftsetzung des bereits 2003 (!) unterzeichneten bilateralen Investitionsschutzabkommens an. Botschafterin Ashipala-Musavyi sprach sich dezidiert für eine „Ausweitung der Präsenz der österreichischen Botschaft Pretoria in Namibia“ aus. WKÖ-Repräsentant Grabmayr, eben erst von einer Wirtschaftsmission nach Angola zurückgekehrt, begrüßte das Engagement von Gruppierungen wie der Österreichischen Namibia-Gesellschaft, um Namibia in der Gruppe der zehn größten Importpartner Österreichs in Afrika zu erhalten.

Im Saal anwesende Vertreter der Sektion VII des Außenministeriums (Entwicklungs­zusammenarbeit) wiesen auf geänderte entwicklungspolitische Prioritäten der EU (Afrika-Strategie), die geringe finanzielle Dotierung der österreichischen EZA sowie den Trend zur Regionalisierung von Programmen als Ursachen für die gesunkene Bedeutung Namibias für die heimische Entwicklungszusammenarbeit hin. Botschafter Freudenschuß kündigte in diesem Zusammenhang die bevorstehende Unterzeichnung eines Memorandums of Understanding zwischen Österreich und der SADC an, in dessen Rahmen Namibia auch bilaterale Projekte beantragen könnte.

Das Buch „Wien – Windhoek retour. 150 Jahre Beziehungen zwischen Österreich und Namibia“ (Elfriede Pekny-Gesellschaft, Wien 2008, 160 Seiten) ist über die SADOCC zum Preis von Euro 15.- plus Porto erhältlich. (EPG)

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URL: http://www.sadocc.at/news/2008/2008-078.shtml
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